Dank umfangreicher Spenden aus den Erträgen von Firmen, deren Inhaber der KPÖ nahe standen, und die z.B. den Handel der verstaatlichen österreichischen Firmen mit der DDR organisierten. Dadurch konnte die KPÖ einen umfangreichenn Apparat – so verfügte sie 1980 über 300 Hauptamtliche - und ein ebensolches Publikationswesenaufrecht erhalten.. Die Tageszeitung „Volksstimme wurde schließlich erst 1991 eingestellt. Dritter Schwerpunkt ist die schwere Finanzkrise, in die die Partei geriet, durch das Ende der DDR einerseits und die schlussendlich erfolgreichen Anstrengungen der Bundesrepublik Deutschland Anfang der 1990er Jahre SED-Vermögen im Ausland einzutreiben.
Baiers Monographie ist ein gut lesbares Buch, das die Memoirenliteratur von aus der KPÖ ausgetretenen oder ausgeschlossenen Kommunisten, wie etwa Ernst Fischer oder Leopold Spira, fortsetzt. Die Phase, in der der Autor selbst Vorsitzender war.
Einen Eindruck von der zeitgenössischen Hausgeschichtsschreibung der KPÖ vermittelt der von Manfred Mugrauer, dem wissenschaftlichen Sekretär der Alfred Klahr Gesellschaft (AKG) herausgegebene Sammelband. Die AKG verwaltet das Archiv der KPÖ. Der Band enthält 16 Beiträge unterschiedlichster Qualität und ist zum einen der Protokollband einer Konferenz der AKG aus Anlass des 90. Jahrestages der Gründung der KPÖ, wie auch Anlass einige Spezialstudien zu publizieren. Den Auftakt bilden vier kurze Aufsätze, die jeweils einen Zeitraum von ungefähr 20 bis 25 Jahren behandeln und die Organisationsgeschichte referieren. Danach folgen die Einzelstudien, etwa zur Agrarpolitik oder zur Theaterarbeit der KPÖ, zum kommunistischen Widerstand in der Steiermark gegen den Nationalsozialismus oder zur Frühgeschichte der KPÖ 1918/19. Ein umfangreicher Beitrag von Mugrauer zur krisenhaften Geschichte der KPÖ 1968 bis 1971 ist merkwürdigerweise hier platziert. Er erzählt die Ereignisse minutiös und mit Quellen versehen nach und endet in der These, dass die damalige Basis der KPÖ einem demokratischen Reformkurs seiner Führung nicht gefolgt wäre. Den Abschluss des Bandes bilden kurze Aufsätze zu „Politikfeldern“, die meist von altgedienten Parteiaktiven verfasst und eher mühsam zu lesen sind.
Beide Bücher argumentieren vorrangig ereignis- und politikgeschichtlich, Mentalitäten oder generationelle Prägungen werden nur bei Baier erwähnt. Dessen Buch erscheint politisch zeitgemäßer, während das von Mugrauer in weiten Strecken detaillierter ist.
Bernd Hüttner
Bernd Hüttner
Politikwissenschaftler, Regionalmitarbeiter Bremen der Rosa Luxemburg Stiftung.